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„Wir werden versuchen, dem Meister zuhause einen heißen Kampf zu liefern und vielleicht sogar für eine Überraschung zu sorgen!“ Vor dem Viertelfinale-Hinspiel in den Play-Offs am Sonntag, 3. April 2011, um 16 Uhr in der Sommerhofenhalle gibt sich Sindelfingens Trainer und Sportmanager Dago Leukefeld kämpferisch und selbstbewusst. Und seine Spielerinnen auch – sie haben durch den 31:27-Überraschungscoup am vergangenen Samstag gegen Spitzenreiter Thüringer HC zum Abschluss der Bundesliga-Hauptrunde sehr viel Selbstvertrauen getankt. Verdienter Lohn war das Vorrücken auf den siebten Tabellenplatz und damit ein Viertelfinale gegen den Zweitplatzierten – eben den amtierenden Meister HC Leipzig. So war – weil in den Play-Offs der Achte gegen den Ersten anzutreten hat – das drohende „Triple“ mit drei Matches gegen den THC innerhalb von zwei Wochen geplatzt.
Jetzt ist es also der mit Nationalspielerinnen gespickte HC Leipzig, das Aushängeschild des deutschen Frauenhandballs der letzten Jahre. 21 Meistertitel, sieben Pokalsiege, vier Europapokalsiege stehen in der Erfolgsliste der Sächsinnen, die auch in der Saison 2010/2011 auf drei Hochzeiten tanzten: „Meisterschaftsfinale, Pokal-Final-Four und Viertelfinale in der Champions League“ lauteten die Vorgaben, zwei dieser drei Ziele sind schon erreicht. Im Pokal-Halbfinale trifft der HCL am 21. Mai in Göppingen auf den Thüringer HC und in der Champions League stand man in der Hauptrunde. Obwohl es hier sechs Niederlagen setzte, will sich Trainer Heine Jensen den Auftritt seiner Mädchen nicht schlecht reden lassen: „Ich bin sehr stolz, dass wir die Top-8 Europas erreicht haben. Realistisch und objektiv war das ein Riesenerfolg.“
Der 34-jährige Däne – der übrigens ab sofort Bundestrainer der deutschen Frauennationalmannschaft ist und deshalb nach den Play-Offs in Leipzig, wo er drei Jahre lang tätig war, aufhört – bekam vor dem Saisonstart zu seinem ohnehin schon hochkarätigen Ensemble noch drei weitere international erfahrene Spielerinnen und ein hoffnungsvolles Nachwuchstalent dazu. Anne Müller lief 110 Mal im deutschen Nationaltrikot auf, Louise Lyksborg spielte 18 Mal für Dänemark und Rannveig Haugen 23 Mal in der norwegischen Junioren-Nationalmannschaft. Die 19-jährige Loraine-Eliza Hellriegel kann auf 22 Einsätze für Deutschlands Juniorinnen verweisen. Außer den vier Genannten haben noch Sara Eriksson (SWE/124 Länderspiele), Karolina Kudlacz (POL/80), Renate Urne (NOR/20), Mette Ommundsen (NOR/3) sowie die Deutschen Ania Rösler (57), Torhüterin Katja Schülke (52), Natalie Augsburg (12) und Anne Ulbricht (4) internationale Erfahrung – eine derartige Parade von Nationalspielerinnen kann kein anderes Team präsentieren.
In den 22 Bundesligabegegnungen der Hauptrunde gingen die HCL-Spielerinnen nur viermal als Verlierer vom Platz (22:25 gegen den Thüringer HC und 33:36 gegen Frankfurt/Oder in eigener Halle, 23:30 in Buxtehude und 26:35 beim THC), einmal spielte man unentschieden (28:28 zuhause gegen Oldenburg). In der Sommerhofenhalle gelang gegen den aufopferungsvoll kämpfenden VfL erst vier Sekunden vor dem Schlusspfiff der 27:26-Siegtreffer. In Leipzig hielten die Sindelfingerinnen beim 24:28 ebenfalls sehr gut mit. Der große Titelfavorit stellt die drittbeste Abwehr (558 Gegentore) nach Buxtehuder SV (540) und THC (544) und markierte als viertbestes Team im Angriff 658 Treffer, nur Oldenburg (683), der Thüringer HC (674) und Blomberg (660) trafen öfter. Die Polin Karolina Kudlacz rangiert in der Bundesliga-Torschützenliste hinter der Frankfurter „Shooterin“ Franziska Mietzner (212 Tore/davon 62 Siebenmeter) mit 159/62 auf dem zweiten Platz. Sindelfingens Marielle Bohm ist Elfte (110/43).
„Am Samstag haben meine Mädels gesehen, dass sie auch gegen eine deutsche Top-Mannschaft mithalten können“, so Leukefeld, „doch gegen den großen Favoriten Leipzig können wir uns nur dann achtbar aus der Affäre ziehen, wenn wir uns mit bedingungslosem Einsatz von der ersten bis zur letzten Minute reinhängen und keinen Zentimeter Boden kampflos den Gästen überlassen“. Dago Leukefeld setzt auch diesmal wieder auf den Rückhalt durch die Zuschauer, „die am Sonntag eine absolute Ausnahmemannschaft erleben werden“. Für die Fans hat der 47-Jährige noch ein „Bonbon“ parat: „Wer beim ersten Heimspiel der Saison 2011/2012 Anfang September in der SCHARRena Stuttgart seine Eintrittskarte vom Leipzig-Heimspiel vorzeigt, zahlt dann nur die Hälfte!“