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„Klar ist der HC Leipzig gegen uns Favorit, aber wir wollen noch mal alles versuchen, gar keine Frage!“ Vor dem Viertelfinal-Rückspiel um die Deutsche Meisterschaft am Sonntag, 10. April 2011, um 15 Uhr in der Arena Leipzig ist Dago Leukefeld Realist. „Normalerweise lässt sich diese routinierte und mit international erfahrenen Spielerinnen besetzte Mannschaft den Drei-Tore-Vorsprung nicht mehr nehmen – zumal in eigener Halle“, sagt der Sindelfinger Trainer und Sportmanager.
Doch im Hinspiel überraschte der VfL Sindelfingen die Gäste mit einer starken Leistung und agierte trotz der 22:25-Niederlage weitgehend auf Augenhöhe mit dem Titelkandidaten. „Wir wollen dem HCL noch einmal eine solche Partie wie am vergangenen Sonntag und einen großen, spannenden Kampf liefern – das sind wir schon allein unseren Fans schuldig, die am Sonntag mit nach Leipzig reisen!“ Ausfallen wird auf jeden Fall Kapitänin Iris Cartarius, die sich im Hinspiel vor vier Tagen eine Gesichts- und Zahnverletzung zugezogen hat.
Im Rückblick auf das erste Play-Off-Spiel lobt der Sindelfinger Coach sein Team: „Das war eine sehr gute Leistung und ein würdiges Viertelfinale auf hohem Niveau mit zwei starken Abwehrreihen!“ Erfreulich war, dass Maren Baumbach nach dreimonatiger Verletzungspause wieder mitwirken konnte. Linksaußen Nadine Härdter musste vor den Augen des neuen Bundestrainers Heine Jensen – bis Saisonende noch gleichzeitig HCL-Coach – passen, ihre Rückenprobleme haben sich noch nicht soweit gebessert, dass sie hätte eingesetzt werden können. „Mal sehen, ob ich sie in Leipzig ein paar Minuten bringen kann“, meint Dago Leukefeld.
Der mit Nationalspielerinnen gespickte HC Leipzig ist das Aushängeschild des deutschen Frauenhandballs der letzten Jahre und errang bisher 21 Meistertitel, sieben Pokalsiege und vier Europapokalsiege. Die Sächsinnen tanzten auch in dieser Saison auf drei Hochzeiten: „Meisterschaftsfinale, Pokal-Final-Four und Viertelfinale in der Champions League“ lauteten die Vorgaben, zwei dieser drei Ziele sind schon erreicht. Im Pokal-Halbfinale trifft der HCL am 21. Mai in Göppingen auf den Thüringer HC und in der Champions League stand man in der Hauptrunde, wo es sechs Niederlagen setzte. Trainer Heine Jensen: „Ich bin sehr stolz, dass wir die Top-8 Europas erreicht haben. Realistisch und objektiv war das ein Riesenerfolg.“
In den 22 Bundesligabegegnungen der Hauptrunde gingen die HCL-Spielerinnen nur viermal als Verlierer vom Platz (22:25 gegen den Thüringer HC und 33:36 gegen Frankfurt/Oder in eigener Halle, 23:30 in Buxtehude und 26:35 beim THC), einmal spielte man unentschieden (28:28 zuhause gegen Oldenburg). In der Sommerhofenhalle gelang gegen den aufopferungsvoll kämpfenden VfL erst vier Sekunden vor dem Schlusspfiff der 27:26-Siegtreffer. In Leipzig hielten die Sindelfingerinnen beim 24:28 ebenfalls sehr gut mit. Der große Titelfavorit stellt die drittbeste Abwehr (558 Gegentore) nach Buxtehuder SV (540) und THC (544) und markierte als viertbestes Team im Angriff 658 Treffer, nur Oldenburg (683), der Thüringer HC (674) und Blomberg (660) trafen öfter. Die Polin Karolina Kudlacz rangiert in der Bundesliga-Torschützenliste hinter der Frankfurter „Shooterin“ Franziska Mietzner (224 Tore/davon 62 Siebenmeter) mit 167/69 auf dem zweiten Platz, fehlte in Sindelfingen aber mit Achillessehnenbeschwerden. VfL-Rückraumspielerin Marielle Bohm ist Zehnte (119/48).
Betrachtet man die Ausgangslage, so ist davon auszugehen, dass für die Handballfrauen des VfL Sindelfingen am kommenden Sonntag die Saison 2010/2011 zu Ende geht. Doch die sportliche Bilanz kann sich sehen lassen, und zwei der drei mittel- und langfristigen Ziele von Dago Leukefeld wurden erreicht: Ein Play-Off-Platz und die Position als Nummer 1 im „Ländle“. Bleibt noch die dritte Vorgabe des 47-Jährigen, die Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb. Doch was die VfL-Frauen trotz zahlreicher Verletzten in dieser Runde geleistet haben, ist beeindruckend und lässt für die Zukunft hoffen – in der nächsten Saison als Spielgemeinschaft mit dem HV Stuttgarter Kickers in der neuen SCHARRena im Stuttgarter NeckarPark.